Branchenspezifische Rahmenbedingungen
(ESRS 2.40 ii, ESRS 2.42 c)
Mit unseren Produkten bedienen wir eine Vielzahl von Branchen. Wichtige Abnehmerbranchen sind die Chemie-, die Bau-, die Automobil- sowie die Halbleiter- und Photovoltaikindustrie.
Moderates Wachstum der weltweiten Chemieproduktion
Die Chemiebranche ist 2025 weltweit insgesamt moderat gewachsen. Sie ist allerdings weiterhin von starken regionalen Unterschieden geprägt. Nach Einschätzung des Verbands der Chemischen Industrie e. V. (VCI) werden die globalen Wachstumsraten vor allem durch starke Zuwächse in China verzerrt, während andere Regionen schwächer abschneiden. In China führten die Industriepolitik und der starke Kapazitätsausbau zu hohen Produktionszuwächsen, allerdings drückten Überkapazitäten und intensiver Preiswettbewerb auf die Margen. In den USA wuchs die Chemieproduktion nur leicht; Handelskonflikte und Zölle verteuerten Importe und bremsten die Entwicklung. In der Europäischen Union belasteten strukturelle Probleme und die US-Zollpolitik die Wettbewerbsfähigkeit und Investitionsaktivitäten. Die erhoffte Trendwende blieb aus. Nach Schätzungen des VCI ist die weltweite Chemieproduktion im Jahr 2025 um 3,5 Prozent gewachsen. Der Zuwachs in China belief sich auf 7,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, während er in den USA nur 1,5 Prozent betrug. In Europa ging die Produktion um 2,0 Prozent zurück.
Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie befand sich laut VCI 2025 weiterhin in einer schwierigen Lage. Produktion, Preise und Umsätze gingen im Vergleich zum Vorjahr weiter zurück. Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung der Chemie lag deutlich unter der Rentabilitätsschwelle. Insgesamt war die Produktion der Chemie- und Pharmaunternehmen in Deutschland mit -0,5 Prozent leicht rückläufig, wobei der Rückgang von 2,5 Prozent in der Chemieproduktion nur teilweise durch den Zuwachs in der Pharmaindustrie kompensiert werden konnte. Der Gesamtumsatz der Branche sank 2025 um etwa 1 Prozent auf 220 Mrd. €. Die deutsche Chemieindustrie litt unter anderem unter den rückläufigen Bauinvestitionen und profitiert immer weniger vom Wachstum anderer Regionen. Als Konsequenz erfolgten erste dauerhafte Anlagenstilllegungen. Die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie ging 2025 um 0,5 Prozent zurück. Meldungen über geplanten weiteren Personalabbau haben zugenommen.
Bauwirtschaft weltweit weiterhin schwach
Die globale Bauwirtschaft hat sich nach Analysen des Marktforschungsinstituts B+L Marktdaten GmbH im Jahr 2025 leicht positiv entwickelt. Weltweit stieg das Bauvolumen (Hochbau und Tiefbau) nach vorläufigen Zahlen um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an und betrug im Jahr 2025 rund 8,90 Bio. US-$ (2024: 8,88 Bio. US-$). Öffentliche Infrastrukturprogramme, die Urbanisierung in Schwellenländern und Investitionen in Energie- und Industrieprojekte setzten positive Impulse. Im Neubausegment zeigte sich dabei ein leichter Rückgang, während bei Bestandsmaßnahmen hingegen eine leichte Belebung zu beobachten war.
Der Wohnbau entwickelte sich im Jahr 2025 mit einem Rückgang um 1,9 Prozent schwächer als die anderen Segmente. Dabei zeigte sich – wie bereits im Vorjahr – eine regionale Spreizung. In Asien, Westeuropa, Osteuropa und Nordamerika wurde ein Rückgang verzeichnet, der jedoch jeweils moderater als im Vorjahr ausfiel. Die Wohnungsbaumärkte in Südamerika erholten sich und wiesen ein leicht positives Wachstum auf. Die Region Naher Osten / Afrika zeigte im Jahr 2025 den größten Zuwachs des Bauvolumens.
% |
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2025 |
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Weltweit |
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-1,9 |
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Asien |
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-2,5 |
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Westeuropa |
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-2,4 |
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Nordamerika |
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-2,9 |
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Naher Osten / Afrika |
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3,4 |
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Osteuropa |
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-0,3 |
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Südamerika |
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1,5 |
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Internationale Automobilmärkte entwickeln sich positiv
Nach Angabe des Verbands der Automobilindustrie (VDA) verzeichneten die weltweiten Pkw-Märkte im Jahr 2025 durchweg Wachstum im Vergleich zum Vorjahr, jedoch mit unterschiedlichen Dynamiken. Die Neuzulassungen im europäischen Markt lagen insgesamt über dem Vorjahresniveau, blieben aber weiterhin deutlich hinter dem Vorkrisenniveau von 2019 zurück. Gegen Jahresende war eine besondere Marktdynamik bei den Neuzulassungen von Plug-in-Hybriden (PHEV) zu beobachten, da für 2026 regulatorische Änderungen anstehen. Die USA verzeichneten im Jahresverlauf einen Anstieg an Neuzulassungen im Bereich Light Vehicle (LV), wenngleich die Verkäufe im vierten Quartal deutlich nachließen – ein wesentlicher Grund war hier das Ende der Förderung von Elektrofahrzeugen durch den Inflation Reduction Act (IRA). Den größten Wachstumsschub verzeichnete auch 2025 wieder China. Der japanische Markt erholte sich im Vergleich zum Vorjahr und wies positives Wachstum auf. In Indien stimulierten Steuererleichterungen das Marktwachstum deutlich. In Deutschland ist die Zahl der Neuzulassungen im Vergleich zum Vorjahr geringfügig gestiegen, wobei der Elektro-Pkw-Markt am deutlichsten gewachsen ist. Gemäß VDA hat sich Deutschland 2025 als weltweit zweitgrößter Produktionsstandort für Elektro-Pkw etabliert. Im Berichtszeitraum wurden insgesamt rund 4,15 Mio. Pkw aus deutschen Werken an Kunden in aller Welt geliefert, 2 Prozent mehr als 2024.
Halbleiterindustrie weiter mit starkem Umsatzwachstum
Der globale Halbleitermarkt hat sich im Jahr 2025 erneut positiv entwickelt. Laut einer Prognose der World Semiconductor Trade Statistics Organisation (WSTS) ist er um 22,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gewachsen und wird voraussichtlich ein Volumen von etwa 772 Mrd. US-$ erreichen. Innerhalb der Branche stellen sich die einzelnen Segmente sehr unterschiedlich dar. Das Wachstum wurde maßgeblich durch die hohe Nachfrage nach Chips für KI-Anwendungen getrieben, die für Rechenzentren unerlässlich sind. Die vorherrschende Marktstellung weniger Firmen in diesem Wachstumssegment hat die Preisentwicklung geprägt. Im Jahr 2025 zeigte sich eine beginnende Erholung bei der Nachfrage nach Silicium-Wafer-Lieferungen, welche als wichtiger Marktindikator gelten. Die Erholung wurde durch Investitionen in KI und fortschrittliche Fertigungstechnologien getragen. Nach Einschätzung des internationalen Halbleiterverbands Semiconductor Equipment and Materials International (SEMI) wurde das Wachstum im Bereich der Silicium-Wafer-Lieferungen in den ersten neun Monaten des Jahres vor allem durch die Nachfrage nach 300-mm-Wafern für hochentwickelte Logikchips, die für komplexe Rechenoperationen genutzt werden (= Advanced Logic), Cloud-Infrastruktur und Speicherchips getragen. Insgesamt wird für 2025 ein Plus von 3 Prozent in diesem Bereich gegenüber dem Vorjahr erwartet. Die Marktbedingungen blieben auch im zweiten Halbjahr 2025 – trotz politischer Spannungen und unsicherer Zollbestimmungen – weitgehend stabil.
Rohstoffpreise leicht rückläufig
(ESRS 2.42 a, c)
Nach den preislichen Seitwärtsbewegungen für einige der für WACKER wichtigen Rohstoffe im Jahr 2024 waren die Preise für viele dieser Materialien im Jahr 2025 leicht rückläufig. Insgesamt zeigten die meisten Märkte eine schwache Nachfrage bei gleichzeitigem Überangebot.
Die Marktpreise für metallurgisches Silicium, einem der Schlüsselrohstoffe für WACKER, gaben außerhalb der USA in Folge schwacher Nachfrage weiter nach. Auch die petrochemischen Hauptrohstoffe von WACKER Vinylacetat, Essigsäure und Ethylen zeigten weiter leicht sinkende Preise, ebenfalls bedingt durch schwache Nachfrage. Diese Entwicklung wurde auch für eine Vielzahl weiterer Rohstoffe beobachtet. Die europäischen Preise für Methanol sanken wieder nachhaltig, nachdem sie in Folge einer temporären Angebotsverknappung im Jahr 2024 sprunghaft angestiegen waren.
Marktpreisentwicklung der für WACKER wichtigsten Rohstoffe in Europa
Siliciummetall
(€/t)
Ethylen
(€/t)
Methanol
(€/t)
Vinylacetatmonomer
(€/t)
Energiepreise entspannen sich geringfügig
(ESRS 2.42 a, c)
Die Preise für Kohle und Erdöl sind im Jahr 2025 erneut leicht gesunken. Nach einer Phase der Entspannung in der Erdgasversorgung durch global milde Winter in den Jahren 2022/23 und 2023/24 hatten sich die Erdgaspreise in Europa im Winter 2024/25 wieder deutlich verteuert und sind erst in der zweiten Jahreshälfte auf das Niveau des Jahres 2024 zurückgefallen. In der Folge lagen auch die Großhandelspreise für Strom, mit volatilem Verlauf, im Jahr 2025 in etwa auf dem Niveau des Vorjahres, das etwa doppelt so hoch wie in den Jahren 2019 und 2020 war. Als Gegengewicht zu den Preissteigerungen bei Erdgas wirkten sich eine weiter erhöhte Erzeugung aus Wind- und Photovoltaikanlagen sowie die konjunkturbedingt anhaltend geringe Stromnachfrage aus der Industrie preissenkend aus. In nichtliberalisierten Märkten, beispielsweise in Asien, waren die Preise für Strom überwiegend stabil oder stiegen nur geringfügig.
Der Preis für Kohle zeigte sich – bei gutem Angebot und weiterhin schwacher Nachfrage – leicht rückläufig. Gründe dafür waren die gute Erdgasversorgung einerseits als auch die schwache Konjunktur andererseits. Die Rohölpreise zeigten sich sehr volatil, waren im Jahresvergleich aber insgesamt rückläufig. Im April fielen die Ölpreise bei der Ankündigung der US-Zölle deutlich, im Sommer lösten die Spannungen im Nahen und Mittleren Osten erhebliche nervöse Preissprünge aus. Die konjunkturell weiterhin schwache Nachfrage wirkte hier allerdings deutlich dämpfend. Am Jahresende lag der Preis für Rohöl der Sorte Brent im Monatsdurchschnitt bei knapp 62 US-$ pro Barrel (2024: knapp 73 US-$ pro Barrel).
Der CO2-Preis stieg im 1. Quartal des Jahres stark an, fiel dann aber im Rahmen der US-Zoll-Dynamik wieder stark ab. Im weiteren Jahresverlauf stieg der Preis wieder auf das Niveau des 1. Quartals und schloss das Jahr bei etwa 85 € pro Tonne ab. Die mittelfristige regulatorische Verknappung von CO2-Zertifikaten wirkte sich trotz geringer Nachfrage aus Stromerzeugung und Industrie stabilisierend aus.
Die Energiekosten für WACKER sind 2025 trotz weitgehend flacher Spotmarktpreise deutlich gesunken. Dies liegt einerseits an dem Grundsatz rollierender vertraglicher Eindeckungen, der dazu führte, dass die Marktpreissenkungen des Vorjahres erst 2025 für WACKER wirksam wurden. Andererseits hat auch der geringere Strombedarf aufgrund niedrigerer Produktionsmengen zu niedrigeren Energiekosten beigetragen.
Marktpreisentwicklung der für WACKER relevanten Energieträger
Börsenstrompreis Deutschland
(EEX German Day Ahead) (€/MWh)
CO2/EUA
(€/t) (EEX Spot)
Öl/Brent
(€/bbl) (ICE Frontmonat)