Geschäftsbericht 2025

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Creating tomorrow’s solutions

Zentrale Risikofelder

Definition der Eintrittswahrscheinlichkeit und der Auswirkungen von Risiken

Wir unterscheiden im Risikobericht zwischen latenten Risiken, das heißt Risiken mit sehr geringer Eintrittswahrscheinlichkeit (kleiner 10 Prozent) oder einem Eintrittszeitpunkt außerhalb der nächsten zwölf Monate, sowie akuten Risiken, die wir als gering, möglich oder hoch einstufen. Akute Risiken umfassen diejenigen Sachverhalte, deren Eintrittswahrscheinlichkeit bei größer oder gleich 10 Prozent gesehen wird oder die konkret erkannt sind. Die Frage, welche speziellen Risiken in diesem Sinne berücksichtigt werden müssen, beantworten wir bei konkreter Betrachtung der Einzelfälle.

Akute Risiken, die einzeln oder kumulativ den Unternehmensfortbestand gefährden können, sind unverzüglich dem Vorstand der Wacker Chemie AG zu melden. Relevant sind in dieser Hinsicht alle Einzelrisiken, die einmalig zu einem Ergebnisausfall von mindestens 5 Mio. € oder über einen Zeitraum von vier Jahren zu einem Ergebnisausfall (vor Steuern) von insgesamt mindestens 10 Mio. € führen.

Mit diesen Schwellenwerten tragen wir der Tatsache Rechnung, dass die Kumulation mehrerer kleinvolumiger Risiken ebenfalls zum bestandsgefährdenden Risiko für das Unternehmen anwachsen könnte. Für die Verpflichtung der Bereiche zur Meldung der Risiken ist es unerheblich, ob die Ursache im Umsatz- oder im Kostenbereich liegt.

Das Controlling fasst alle Risiken zusammen und berichtet dem Vorstand die akuten Risiken in einem Bericht, der alle Einzelrisiken ab 5 Mio. € auflistet. Der Bericht wird jährlich im Dezember durch eine Übersicht über alle latenten Risiken ergänzt.

Die Eintrittswahrscheinlichkeit der von uns aufgeführten akuten Risiken beschreiben wir mit Hilfe von Schlüsselbegriffen. Sie ermöglichen es, unsere Einschätzungen zu den einzelnen Risikofeldern nachzuvollziehen. Prozentual entsprechen diese Begriffe diesen Bandbreiten:

  • latent: kleiner als 10 Prozent

  • gering: 10 bis 24 Prozent

  • möglich: 25 bis 75 Prozent

  • hoch: größer als 75 Prozent

Die Auswirkungen auf die Entwicklung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns für den Fall, dass die aufgeführten Risiken eintreten sollten, beschreiben wir ebenfalls anhand von Schlüsselbegriffen. Wir bewerten den möglichen Ergebniseffekt dabei nach der Nettomethode, also nach Durchführung entsprechender Gegenmaßnahmen wie Hedging sowie unter Berücksichtigung bereits gebildeter Rückstellungen. Die genutzten, hier folgenden Begriffe entsprechen dabei diesen Bandbreiten:

  • niedrig: bis 25 Mio. €

  • mittel: über 25 bis 100 Mio. €

  • groß: über 100 Mio. €

Die nachfolgende Tabelle gibt unsere Einschätzung zur Eintrittswahrscheinlichkeit der Risiken und zu ihren möglichen Auswirkungen auf die Entwicklung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns im Eintrittsfall wieder. Die Aussagen beziehen sich auf den Prognosezeitraum, also auf das Geschäftsjahr 2026. Die in der Tabelle aufgeführten Risiken betreffen alle Geschäftsbereiche. Bei Risiken, die einzelne Segmente betreffen, sind die betreffenden Geschäftsbereiche in der Risikokategorie angegeben. Risiken ohne Vorjahreseinordnung haben wir im Berichtszeitraum neu aufgenommen. Risiken nur mit Einschätzung und Bewertung für das Vorjahr werden im Berichtszeitraum nicht mehr den zentralen Risikofeldern zugeordnet, da sie weder die Kriterien für akute Risiken erfüllen noch als latentes Risiko mit der Bewertung „groß“ (Auswirkung über 100 Mio. €.) eingeschätzt werden.

Eintrittswahrscheinlichkeit und mögliche Auswirkungen unserer Risiken

Risikokategorie

 

Eintritts­wahrschein­lichkeit 20261

 

Mögliche Auswirkungen 20261

 

Eintritts­wahrschein­lichkeit 20252

 

Mögliche Auswirkungen 20252

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gesamtwirtschaftliche Risiken

 

Latent

 

Groß

 

Latent

 

Groß

Absatzmarktrisiken

 

 

 

 

 

 

 

 

Überkapazitäten Chemie (Silicones, Polymers)

 

Latent

 

Groß

 

Latent

 

Groß

Preis- und Mengendruck Polysilicium (Polysilicon)3

 

 

 

Möglich

 

Groß

Nachfragerückgang durch neue Technologien

 

Latent

 

Groß

 

Latent

 

Groß

Bilanzielle Risiken

 

 

 

 

 

 

 

 

Bilanzielles Risiko: Werthaltigkeit von Sachanlagen und Immateriellen Vermögenswerten

 

Gering

 

Mittel

 

 

Bilanzielles Risiko: Beteiligung Siltronic AG

 

Gering

 

Groß

 

Möglich

 

Groß

Beschaffungsmarktrisiken

 

Möglich

 

Niedrig

 

Möglich

 

Mittel

Produktions- und Umweltrisiken

 

 

 

 

 

 

 

 

Produktion, Lagerung, Abfüllung, Transport

 

Möglich

 

Niedrig

 

Möglich

 

Niedrig

Reputation und Entsorgungswege

 

Latent

 

Groß

 

Latent

 

Groß

Lagerstandort Düsseldorf

 

Hoch

 

Niedrig

 

Hoch

 

Niedrig

Pensionen

 

Gering

 

Mittel

 

Möglich

 

Mittel

Regulatorische Risiken

 

 

 

 

 

 

 

 

Energiewende in Deutschland

 

Latent

 

Groß

 

Latent

 

Groß

Potenzielle Rückzahlungsverpflichtung Energiebeihilfen4

 

 

 

Gering

 

Groß

US-Einfuhrzölle

 

Möglich

 

Mittel

 

 

Handelsbeschränkungen Polysilicium

 

Möglich

 

Groß

 

Latent

 

Groß

Neue Regelungen für Produktionsverfahren, Produkte und ihre Verwendungen

 

 

 

Hoch

 

Niedrig

IT-Risiken

 

Latent

 

Groß

 

Latent

 

Groß

Personalrisiken

 

Latent

 

Groß

 

Hoch

 

Niedrig

Externe Risiken

 

Latent

 

Groß

 

Latent

 

Groß

Physische Klimarisiken

 

Latent

 

Groß

 

Latent

 

Groß

1

Risiken nur mit Einschätzung und Bewertung für das Vorjahr fallen im Berichtszeitraum nicht mehr unter die zentralen Risikofelder.

2

Risiken ohne Einschätzung und ohne Bewertung für das Vorjahr haben wir im Berichtszeitraum neu aufgenommen.

3

Risiko umgruppiert: Risikokategorie „Preis- und Mengendruck Polysilicium (Polysilicon)“ in „Handelsbbeschränkungen Polysilicium“.

4

Voraussetzungen für Energiebeihilfen erfüllt; internes Nachweissystem zertifiziert.

Gesamtwirtschaftliche Risiken

Szenario: Konjunktur schwächt sich ab.

Auswirkungen für WACKER: Produktionsauslastung sinkt, höhere spezifische Herstellungskosten, Umsatz- und Ergebnisrückgang im Konzern.

Maßnahmen: Wir begegnen diesem Risiko, indem wir die konjunkturelle Entwicklung in unseren wesentlichen Absatzmärkten fortlaufend beobachten. Schwächt sich die wirtschaftliche Entwicklung ab, treffen wir frühzeitig Vorbereitungen, um unsere Produktionskapazitäten, Ressourcen und Vorräte der Kundennachfrage flexibel anpassen zu können. In einem solchen Fall konzentrieren wir beispielsweise die Auslastung auf Produktionsstandorte mit den besten Kostenpositionen.

Einschätzung und Risikobewertung: Es besteht das Risiko, dass einzelne Teilbereiche des Unternehmens personell nicht schnell genug an Unterauslastungen angepasst werden können. Dieses Risiko bewerten wir als hoch mit einer niedrigen Auswirkung im Eintrittsfall. Die weltweit hohe Inflation, hohe Zinsen, hohe Energiepreise in Europa sowie die anhaltende Kaufzurückhaltung der Verbraucher haben die Konjunktur bereits seit dem Jahr 2022 erheblich gebremst. Diese Entwicklungen haben wir in unseren Planungen entsprechend berücksichtigt. Wir sehen ein latentes Risiko, dass sich die Weltwirtschaft im Jahr 2026 weiter abschwächt. Im Eintrittsfall hätte dies große Auswirkungen auf die Ertragslage von WACKER.

Absatzmarktrisiken

(ESRS 2.42 b, c)

Überkapazitäten Chemie (Silicones, Polymers)

Szenario: Es besteht das Risiko, dass auf den Märkten in den Chemiebereichen von Silicones und Polymers weitere Überkapazitäten entstehen.

Auswirkungen für WACKER: Preis- und Mengendruck auf unsere Produkte.

Maßnahmen: Wir begegnen diesem Risiko, indem wir unsere Produktionskapazitäten anpassen und die Anlagenauslastung durch Mengensteuerung und intensives Bearbeiten von Wachstumsmärkten sichern. Es ist weiterhin unser Ziel, den Anteil konjunkturstabiler Produktbereiche im Geschäftsportfolio auszubauen und dort weltweit zu den führenden Anbietern zu zählen.

Einschätzung und Risikobewertung: In unserem Chemiegeschäft kommt es durch weitere Überkapazitäten und eine schwache Nachfrage zum Teil zu weiterem Preisdruck. So sind zum Beispiel die Preise für Standardsilicone in China und Europa sehr niedrig, und in einigen Anwendungsfeldern, wie in der Textilindustrie, ist die Nachfrage schwach. Jedoch sind die Preise im Bereich Silicones im Vergleich zu den Vorjahren nicht wesentlich weiter gesunken; aktuell sind für 2026 keine signifikanten Preisänderungen geplant. Der Bereich Polymers verzeichnet weiterhin einen hohen Preisdruck. Das Risiko schätzen wir als latent ein; bei einem Eintrittsfall wären die Auswirkungen groß.

Nachfragerückgang durch neue Technologien

Szenario: Neue Technologien, die bisherige Lösungen ersetzen, könnten einen Rückgang der Nachfrage nach unseren Produkten auslösen.

Auswirkungen für WACKER: Wir sehen ein überschaubares Risiko für einen starken Systemwettbewerb. Vielmehr verzeichnen wir auch gegenläufige Trends, weil wir beispielsweise mit Siliconen andere Produktgruppen ersetzen können, wie die PFAS (per- und polyfluorierte Alkylverbindungen). Insbesondere unter den Aspekten der Nachhaltigkeit eröffnen uns neue Anwendungen zusätzliche Marktchancen, beispielsweise in Elektronik und E-Mobility sowie bei Anwendungen für Medizin und Wundversorgung.

Maßnahmen: Diesem Risiko begegnen wir, indem wir unsere Produktpalette kontinuierlich aktualisieren und federführend an der Entwicklung neuer Technologien mitwirken. Dabei setzen wir auf sehr enge Zusammenarbeit sowohl mit Kunden als auch mit Lieferanten.

Einschätzung und Risikobewertung: Das Risiko, dass Märkte wegbrechen, haben wir im Laufe der über 100-jährigen Unternehmensgeschichte schon oft bewältigt. Wir passen unsere Produktpalette nicht reaktiv an, sondern gestalten künftige Lösungen aktiv mit, so dass wir von vornherein an neu entstehenden Märkten teilhaben. Das Risiko schätzen wir als latent ein; bei einem Eintrittsfall wären die Auswirkungen groß.

Bilanzielle Risiken

Werthaltigkeit von Sachanlagen und immateriellen Vermögenswerten

Szenario: Veränderte Markt- und Geschäftsaussichten, dauerhafte Unterauslastung von Kapazitäten, strukturelle Anpassungen mit Stilllegungen von Produktionsanlagen.

Auswirkungen für WACKER: Vor dem Hintergrund der aktuell herausfordernden wirtschaftlichen Situation besteht das Risiko von Wertminderungen der Produktionsanlagen sowie des Geschäfts- oder Firmenwertes der SICO Performance Material (Shandong) Co., Ltd., China. Neben Wertberichtigungen können auch Abgangsverluste bei der Veräußerung oder Stilllegung von Anlagen entstehen und zu einer Ergebnisbelastung für den Konzern führen.

Maßnahmen: Wir beobachten kontinuierlich die Geschäfts- und Marktentwicklungen sowie weitere Ereignisse, die sich auf die Werthaltigkeit der betreffenden Vermögenswerte auswirken könnten und führen bei Bedarf Werthaltigkeitstests durch.

Einschätzung und Risikobewertung: Die Eintrittswahrscheinlichkeit für Wertberichtigungen schätzen wir als gering ein. Die potenziellen Auswirkungen auf unsere Ertrags- und Vermögenslage im Eintrittsfall stufen wir als „mittel“ ein.

Beteiligung Siltronic AG

Szenario: Bei der at-equity bewerteten Beteiligung an der Siltronic AG kann es zu weiteren Wertminderungen oder in Folgeperioden auch zu Wertaufholungen kommen, falls sich der Unternehmenswert infolge veränderter Markt- oder Geschäftsaussichten und / oder Börsenkursschwankungen verändert.

Auswirkungen für WACKER: Wertminderungen können zu einer Ergebnisbelastung für den Konzern führen; Wertaufholungen wiederum zu einer Ergebnisverbesserung. Eine Wertminderung wäre erforderlich, falls sich der im Rahmen einer Unternehmensbewertung ermittelte Nutzungswert verringert. Eine Wertaufholung dagegen wäre erforderlich, falls der Börsenkurs am Bilanzstichtag den Buchwert übersteigt oder sich der Nutzungswert erhöht.

Maßnahmen: Wir beobachten kontinuierlich die Geschäfts- und Marktentwicklungen sowie die Aktienkursveränderungen der Siltronic AG und führen anlassbezogene Werthaltigkeitstests durch.

Einschätzung und Risikobewertung: Die Eintrittswahrscheinlichkeit für eine Wertminderung schätzen wir als gering ein. Die potenziellen Auswirkungen auf unsere Ertrags- und Vermögenslage im Eintrittsfall sehen wir als groß an.

Beschaffungsmarktrisiken

(ESRS 2.42 a)

Szenario: Höhere Rohstoff und Energiepreise, Engpässe in der Verfügbarkeit bestimmter Rohstoffe, Entfall wesentlicher Entlastungsregelungen für die stromintensive Industrie.

Auswirkungen für WACKER: Ergebnisbelastung aufgrund höherer Rohstoff und Energiepreise. Bei Engpässen in der Verfügbarkeit erhöhen sich die Lieferzeiten zum Kunden und es können sich Absatzverluste ergeben.

Maßnahmen: Durch eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Einkauf und den Geschäftsbereichen versuchen wir sicherzustellen, dass Mehrkosten im Einkauf möglichst weitgehend an die Kunden weitergegeben werden, sodass die Marge von WACKER stabil bleibt. Für strategische Rohstoffe und Energie erarbeiten wir regelmäßig systematische Beschaffungsstrategien, die eine Einschätzung des Beschaffungsrisikos beinhalten. Sofern die Beschaffungsrisiken als relevant eingestuft werden, treffen wir, wenn möglich, entsprechende Gegenmaßnahmen. Dazu zählen langfristige Lieferverträge, eine strukturierte Beschaffung bei mehreren Lieferanten mit Verträgen von unterschiedlicher Laufzeit, eine Ausweitung der Lieferantenbasis und höhere Sicherheitsbestände. Durch teilweise Rückwärtsintegration, etwa mit unserer Siliciummetallproduktion oder unserer Vinylacetatproduktion, verringern wir unsere Abhängigkeit von externen Lieferanten. In der Energiebeschaffung versuchen wir, uns über rollierendes Hedging gegen Extrempreise zu schützen und möglichst alle Regelungen für Entlastungen zu nutzen. WACKER beteiligt sich aktiv an den Bemühungen des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), die Sonderregelungen für besonders energieintensive Unternehmen zu erhalten oder durch wirtschaftlich gleichwertige Instrumente zu ersetzen. In diesem Rahmen setzt sich WACKER seit Jahren für die Einführung eines europäischen Industriestrompreises ein. Die Bundesregierung hat 2025 angekündigt, 2026 einen Industriestrompreis in Deutschland einführen zu wollen.

Einschätzung und Risikobewertung: Die Eintrittswahrscheinlichkeiten halten wir für möglich; die Auswirkungen wären niedrig. Denn WACKER hat sich im Rohstoff und Energieeinkauf so aufgestellt, dass wir im Auf wie im Abschwung der wirtschaftlichen Entwicklung die Risiken gut steuern können. Zudem sind die Preise für die für WACKER relevanten Rohstoffe im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Sollte sich die Weltwirtschaft deutlich abschwächen, sind unsere Verträge bei wichtigen Rohstoffen so angelegt, dass wir die Abnahmemengen flexibel anpassen können und, wo immer es geht, durch entsprechende Preismodelle von niedrigeren Preisen profitieren. Sollte die Weltwirtschaft unerwartet stark wachsen, sind wir bei den Mengen so abgesichert, dass wir keine größeren Risiken in der Rohstoffversorgung sehen.

Bei den Stromkosten werden gemäß der geltenden Gesetzeslage in Deutschland energieintensive Unternehmen von verschiedenen Umlagen und Zusatzkosten teilweise entlastet. Auch WACKER profitiert von diesen Regelungen. Eine Einschränkung der Entlastungsregeln könnte die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Geschäftsaktivitäten schwächen. Generell wird die weitere Energiepreisentwicklung (Großhandelspreise, Infrastrukturkosten, Zusatzkosten) auch künftig stark von der weiteren Ausgestaltung der Energiewende durch die deutsche und europäische Politik abhängen.

Insbesondere die Netzentgelte bei Strom und Erdgas sowie zukünftig für Wasserstoff könnten weiter steigen – erstens durch die Kosten des im Rahmen der Energiewende erforderlichen Netzausbaus, zweitens durch Mehrkosten zur Beseitigung von Netzengpässen und drittens durch regulatorische Änderungen.

Im Jahr 2025 sind die Spotmarkt-Preise für Rohstoffe und Energie im Wesentlichen stabil geblieben. Jedoch liegen vor allem die Strom- und Gaspreise in Europa noch immer erheblich über dem langjährigen Durchschnittsniveau aus den Jahren vor 2022.

Produktions- und Umweltrisiken

(ESRS 2.42 a, c)

Produktion, Lagerung, Abfüllung, Transport

Szenario: Es bestehen Risiken bei der Produktion, Lagerung, Abfüllung und dem Transport von Rohstoffen, Erzeugnissen und Abfällen.

Auswirkungen für WACKER: Personen-, Sach- und Umweltschäden, Produktionsausfälle und Betriebsunterbrechungen, Verpflichtung zu Schadenersatzzahlungen.

Maßnahmen: WACKER steuert seine Prozesse über das Integrierte Managementsystem (IMS). Es regelt Abläufe und Verantwortlichkeiten und berücksichtigt sowohl Produktivität und Qualität als auch Sicherheit, Umwelt- und Gesundheitsschutz. Basis für das IMS sind gesetzliche Regelungen sowie nationale und internationale Standards wie Responsible Care® und UN Global Compact, die weit über die von Gesetzen geforderten Standards hinausgehen. Durch umfangreiche Instandhaltungskontrollen und laufende Inspektionen versuchen wir, höchstmögliche Betriebssicherheit an unseren Produktionsstandorten zu gewährleisten. Um die Sicherheit der Anlagen zu garantieren, führen wir von der Konzeption bis zur Inbetriebnahme umfangreiche Sicherheits- und Risikoanalysen durch. Wir führen regelmäßig Seminare zu Anlagensicherheit, Explosions- und Arbeitsschutz durch. Im Schadensfall regeln an jedem WACKER Standort Gefahrenabwehrpläne die Zusammenarbeit von internen und externen Einsatzkräften sowie mit den Behörden. Gegen Schadensfälle an unseren Anlagen und die sich daraus möglicherweise ergebenden Folgen sind wir nach den in der chemischen Industrie üblichen Standards versichert. Bei der Zusammenarbeit mit Logistikdienstleistern werden Gefahrguttransporte vor jedem Beladen kontrolliert. Mängel werden konsequent erfasst und verfolgt.

Einschätzung und Risikobewertung: Risiken, die sich aus der Produktion, Lagerung, Abfüllung und dem Transport von Rohstoffen, Erzeugnissen und Abfällen ergeben, sind erfahrungsgemäß nie ganz auszuschließen. Es ist möglich, dass solche Risiken eintreten können, obwohl wir die Wahrscheinlichkeit eines gravierenden Schadensereignisses für gering halten. Sollte es zu einem solchen Fall kommen, wären die Auswirkungen auf das Ergebnis des WACKER Konzerns niedrig.

Reputation und Entsorgungswege

Szenario: Risiken bestehen aufgrund von Konsequenzen, die sich für unsere Reputation und von uns genutzte Entsorgungswege ergeben und damit auf die Kosten für die Entsorgung auswirken. Auslöser könnten Beschwerden aus dem Umfeld der Standorte sein sowie Auswirkungen durch eine neue Gesetzgebung.

Auswirkungen für WACKER: Wenn durch neue rechtliche Anforderungen oder aufgrund von Beschwerden aus der Umgebung unserer Standorte zum Beispiel Entsorgungswege geändert werden müssen, verursacht dies Kosten.

Maßnahmen: WACKER ist an seinen Standorten im regelmäßigen Dialog mit der Nachbarschaft und NGOs. Wir sind ständig telefonisch und online erreichbar und stehen zum persönlichen Gespräch bereit, um Hinweise aus dem Umfeld unserer Produktionsstandorte aufzunehmen. Die Gesetzgebung begleiten wir kontinuierlich, um uns rechtzeitig auf neue Regelungen einzustellen und unsere Prozesse entsprechend zu steuern, damit Produktion und Auslieferung zuverlässig und rechtskonform ablaufen. Die Sicherheit für Mensch und Natur, für unsere Nachbarschaft und nicht zuletzt für unsere Mitarbeitenden hat dabei oberste Priorität. Durch kontinuierliche Information und den Dialog mit der Öffentlichkeit sind wir sensibel für Veränderungen, die unsere Reputation beeinträchtigen könnten, und steuern unsere Prozesse entsprechend, um Missverständnissen vorzubeugen.

Einschätzung und Risikobewertung: Solche latenten Risiken begleiten wir als Corporate Citizen mit Fokus auf Sicherheit, Compliance und Umweltschutz. Wir nutzen Veränderungen als Chance zur Optimierung der Nachhaltigkeit und der Effizienz unserer Prozesse, um möglichen großen Auswirkungen vorzubeugen.

Lagerstandort Düsseldorf

Szenario: Ein Risiko beinhaltet rechtliche Konsequenzen und Kosten durch die Bodenkontamination an einem ehemaligen Lagerstandort in Düsseldorf. Dieser Standort war von 1948 bis 1974 im Besitz einer von der Wacker Chemie AG beauftragten Spedition, die ihn als Lager- und Umschlagplatz nutzte.

Auswirkungen für WACKER: Die Wacker Chemie AG trägt neben dem ehemaligen Spediteur anteilig die Kosten für die Grundwasserbehandlung.

Maßnahmen: WACKER führt die Grundwasserbehandlung konsequent durch, da sich das Unternehmen der Nachhaltigkeit verpflichtet hat.

Einschätzung und Risikobewertung: Dieses Rechtsrisiko besteht seit dem Jahre 2003. Die Kosten liegen im niedrigen Bereich. Deshalb halten wir die möglichen Auswirkungen trotz hoher Eintrittswahrscheinlichkeit für niedrig.

Pensionen

Szenario: Steigende Lebenserwartung Pensionsberechtigter, Gehalts- und Rentenanpassungen, sinkende Abzinsungsfaktoren, signifikante Veränderungen in der Zusammensetzung des investierten Fondsvermögens und der Kapitalmarktzinsen.

Auswirkungen für WACKER: Ein Anstieg der Pensionsverpflichtungen sowie ein Sinken des Fondsvermögens und eine mögliche Zuführung finanzieller Mittel an die Pensionskasse bzw. in das Deckungsvermögen beeinflussen die Finanzlage und das Ergebnis des Konzerns. Die höhere Lebenserwartung der Bezugsberechtigten sowie Gehalts- und Rentenanpassungen und der Abzinsungsfaktor (Barwertermittlung aus künftigen Zahlungsströmen) wirken sich ebenfalls erheblich auf das Eigenkapital und das Ergebnis von WACKER aus.

Maßnahmen: Ein Großteil der betrieblichen Pensionszusagen von WACKER ist über die Pensionskasse der Wacker Chemie VVaG, über Pensionsfonds und Zweckvermögen sowie über Versicherungen abgedeckt. Damit eine ausreichende Verzinsung des Vermögens sichergestellt und Anlagerisiken begrenzt werden können, ist das Anlageportfolio diversifiziert. Die Pensionskasse optimiert alle Vermögenspositionen mit dem Ziel, bei vorgegebenen Risikogrenzen die erforderliche Rendite zu erreichen. WACKER leistet als eines der Trägerunternehmen bedarfsorientierte finanzielle Zuwendungen an die Pensionskasse. So wird eine ausreichende Deckung der Pensionsverpflichtungen sichergestellt. Im Rahmen der übrigen leistungsorientierten Pensionszusagen passen wir bei Bedarf die Berechnungsparameter, beispielsweise die Lebenserwartung, an. Seit dem Jahr 2022 bietet WACKER seinen Beschäftigten, die in Deutschland neu ins Unternehmen eintreten, eine betriebliche Altersversorgung in Form von Direktzusagen auf Kapitalbasis an. Abgesichert werden diese über ein sogenanntes Contractual Trust Arrangement (CTA), eine Treuhandgesellschaft, in der die Pensionsverpflichtungen des Unternehmens ausfinanziert werden.

Einschätzung und Risikobewertung: Die bezugsberechtigten Beschäftigten und Rentner werden immer älter. Die Kapitalmarktzinsen lagen in den Jahren bis 2021 auf einem sehr niedrigen Niveau; mittlerweile sind die Zinsen wieder deutlich gestiegen. Das gegenwärtige Zinsumfeld schätzen wir als stabil ein. Mit den oben beschriebenen Maßnahmen zur Reformierung unserer betrieblichen Altersversorgung sind wir zudem negativen Auswirkungen auf unsere Bilanz begegnet. Für das Jahr 2026 gehen wir nicht davon aus, dass Sonderzahlungen in die Pensionskasse erforderlich sein werden. Auf absehbare Zeit werden aber weiterhin die bislang bestehenden Tarife das Pensionssystem von WACKER dominieren. Wir sehen aktuell eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass in den nächsten Jahren weitere Sonderzahlungen in die Pensionskasse notwendig werden, dass der Pensionsaufwand und die Rentenzahlungen weiter steigen und höhere Pensionsrückstellungen die Bilanz belasten. Dies hätte voraussichtlich mittlere Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage von WACKER.

Regulatorische Risiken

Energiewende in Deutschland

Szenario: Um die für 2030 bis 2045 gesetzten Ziele zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes zu erreichen, wird der Regulierungsrahmen im Zuge der Transformation des Energieversorgungssystems in Deutschland (Energiewende) voraussichtlich durch massive und wiederholte Anpassungen des Gesetzgebers geprägt sein. Neben dem Stromsektor als der zukünftig wichtigsten Säule der Energieversorgung wird das auch die Erdgasversorgung und die Wasserstoffwirtschaft betreffen. Im Rahmen des Europäischen Emissionshandelssystems (ETS) ist regulatorisch ein deutlicher Anstieg der CO2-Preise durch zunehmende Knappheit vorgesehen. Außerdem führt die permanente Schaffung zusätzlicher Berichtspflichten zu kontinuierlich erhöhtem administrativem Aufwand. Durch diese regulatorischen Maßnahmen wird die auf fossilen Rohstoffen basierende Produktion strukturell steigende Kosten aufweisen. Da nichtfossile Alternativen, wie die Umstellung auf biogene Rohstoffe oder grünen Wasserstoff, ebenfalls zu höheren Kosten führen, könnten die Produktionskosten in Europa insgesamt deutlich steigen. Ohne eine vergleichbare Rahmenregulierung in anderen ökonomisch relevanten Regionen (insbesondere in den USA und in Asien) drohen europäischen Produktionsstandorten globale Wettbewerbsnachteile. Die EU-Kommission plant, diese Nachteile durch Zollmaßnahmen, Carbon Border Adjustment Measures (CBAM), zu kompensieren. Das entsprechende Regelwerk ist bisher nur für einzelne Rohstoffe festgelegt und weist eine erhebliche Komplexität auf. Es ist angekündigt, weitere CO2-intensive Rohstoffe in das System aufzunehmen. Jedoch ist noch unsicher, wie sehr europäische Standorte im Endeffekt von diesen Wettbewerbsnachteilen betroffen sein werden.

Auswirkungen für WACKER: Mehrbelastungen können sich bei den Energie- und den Rohstoffkosten ergeben. Darüber hinaus entsteht ein erheblicher zusätzlicher Aufwand, um neue administrative Berichts-, Umsetzungs- und Zertifizierungspflichten zu erfüllen.

Maßnahmen: Wir begleiten kontinuierlich das regulatorische Geschehen in Deutschland und in der Europäischen Union. Bei absehbaren Änderungen der geltenden Rechtslage versuchen wir, unsere Positionen durch Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern und durch Mitarbeit in den Wirtschaftsverbänden in die relevanten Gesetzgebungsverfahren einzubringen. Dies betrifft vor allem Sonderregelungen, um die Umlagen und Netzentgelte für die Stromversorgung der energieintensiven Industrie zu reduzieren. Relevant ist zudem, die Auswirkungen auf Rohstoffkosten durch die CO2-Bepreisung sowie durch CO2-Grenzausgleichsmechanismen (CBAMs, Carbon Border Adjustment Mechanism) zu regulieren.

Einschätzung und Risikobewertung: Die Gesetzgebung zur Energieversorgung und zur Transformation der Volkswirtschaft in Richtung Klimaneutralität ist permanenten Änderungen unterworfen. Da alle politischen Stakeholder grundsätzlich die Energiewende in der einen oder anderen Form unterstützen, ist mit weiteren erheblichen regulatorischen Eingriffen zu rechnen. Das Risiko schätzen wir als latent ein; bei einem Eintrittsfall wären die Auswirkungen groß.

US-Einfuhrzölle

Szenario: Im Januar 2025 veröffentlichte die US-Regierung ihre „America First Trade Policy“, die eine nationale Neuausrichtung der Zollpolitik und eine Überprüfung der Handelsbeziehungen vorsieht, um Handelsdefizite und Investitionsströme zugunsten der USA zu steuern.

Im Laufe des Jahres führte die US-Regierung zusätzlich zu bestehenden Standardzöllen pauschale Länderzölle gegenüber nahezu allen Staaten ein, die zeitweise ausgesetzt und wiederholt angepasst wurden. Zusätzlich wurden sanktionspolitische Zölle sowie produktspezifische Zölle (relevant z. B. Aluminium in Produkten) einseitig eingeführt. Gleichzeitig etablierte die US-Regierung eine Ausnahmeliste nach Zollkategorien. Viele große Importkategorien von WACKER waren zunächst ausgenommen; zum Teil entfielen diese Ausnahmen im Jahresverlauf wieder. Die weitere Entwicklung ist schwer abschätzbar.

Auswirkungen für WACKER: Neben den direkten Effekten in Form von höheren Zollkosten bestehen für WACKER auch indirekte Risiken durch eine mögliche Fragmentierung der Weltwirtschaft infolge der US-Zollpolitik. Risiken und Kosten ergeben sich vorrangig durch Nachfragerückgang auf Endmärkten und Auswirkungen auf die Zulieferketten mittelbar auch für WACKER aber auch durch Nachahmungseffekten (z. B. Zusatzzölle Mexiko gegen Asien) oder komplexere Einfuhrvorgänge (z. B. Zusatzzölle auf Anteile von Aluminium etc.). Die Folgen sind angesichts der dynamischen Entwicklung und laufender Verhandlungen und Änderungen insgesamt schwer abschätzbar.

Maßnahmen: Wir haben Weitergabeklauseln für Zollkosten in unsere Kundenverträge aufgenommen und beobachten die Entwicklung, um bei Veränderungen zeitnah reagieren zu können und gegebenenfalls Lieferketten zu optimieren.

Einschätzung und Risikobewertung: Sollte es zu zusätzlichen Zollkosten kommen, geben wir diese, wo es möglich ist, an unsere Kunden weiter. Wir schätzen das Risiko als möglich ein. Die direkten Auswirkungen schätzen wir im Eintrittsfall als „mittel“ ein. Indirekt könnten sich zusätzliche Zölle auf das Geschäft von WACKER auswirken, wenn unsere Kunden mit zusätzlichen Zöllen belegt werden und sich dadurch ihr Bestellverhalten ändert. Die indirekten Auswirkungen könnten im Eintrittsfall groß sein.

Handelsbeschränkungen Polysilicium

Szenario: Infolge der seit Jahren andauernden internationalen Handelskonflikte bestehen für Polysilicium und den davon abgeleiteten Folgeprodukten verschiedene Zollregelungen, die derzeit den Warenverkehr zwischen den verschiedenen Weltregionen wie etwa USA, China, Indien und Südostasien beeinträchtigen. Weitere Unsicherheiten ergeben sich derzeit unter anderem durch eine Untersuchung, die das US-Handelsministerium am 1. Juli 2025 gemäß Section 232 des Trade Expansion Act eingeleitet hat, um die Auswirkungen von Importen von Polysilicium und seinen Folgeprodukten auf die nationale Sicherheit der USA zu bewerten und gegebenenfalls die US-amerikanische Industrie vor einem Verlust von Know-how und vor einem durch Überkapazitäten bedingten Preisverfall zu schützen. Die zukünftige Preisentwicklung für Solarpolysilcium von WACKER kann maßgeblich vom Ausgang dieses Verfahrens und dem Regulierungsgrad des Marktzugangs abhängen. Im Nachgang zum Section-232-Verfahren könnte es – je nach Ausgang des Verfahrens – zu einem Preisverfall für Solarpolysilicium kommen, der Absatz zu kostendeckenden Preisen für WACKER erschweren oder unmöglich machen würde.

Auswirkungen für WACKER: Eine mögliche Verschärfung der US-amerikanischen Antidumping- und Antisubventionszölle, ebenso wie weitere global relevante Import- und Exportbeschränkungen im Halbleiterbereich sowie ein für WACKER ungünstiger Ausgang des Section-232-Verfahrens könnten sich ungünstig auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns auswirken und einen negativen Einfluss auf die Absatzmengen und auf langfristige Kundenbeziehungen haben.

Maßnahmen: Die weitere Entwicklung der globalen Handelskonflikte, wie auch der Ausgang des Section-232-Verfahrens sind schwer abschätzbar. Den Anteil von Halbleiterpolysilicium an unseren gesamten Absatzmengen konnten wir mittlerweile deutlich steigern und sehen hier Potenzial für weiteres Wachstum. Zudem sind auch bei Solarpolysilicium neue Absatzmöglichkeiten aufgrund des Interesses an einer regionalen Diversifizierung von Lieferketten in vielen Ländern möglich. Unterstützt wird diese Entwicklung zum Beispiel durch Förderprogramme zum Ausbau lokaler Photovoltaik-Wertschöpfungsketten in den USA, Europa, Indien und Südostasien sowie durch einen höheren Stellenwert der Einhaltung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Standards bei Einkaufsentscheidungen.

Einschätzung und Risikobewertung: Wir schätzen die Eintrittswahrscheinlichkeit als möglich ein, da die Unsicherheiten in Märkten bei anhaltenden handelspolitischen Auseinandersetzungen und geopolitischen Spannungen zunehmen. Unser Polysiliciumgeschäft könnte von den Konsequenzen solcher Entwicklungen mit großer Auswirkung betroffen sein.

IT-Risiken

Szenario: Cyberangriff, Störung und unerlaubter Zugriff auf unsere Informationstechnologie-(IT-)Systeme, Produktionsanlagen und Netzwerke, dadurch Gefährdung der Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von Informationen.

Auswirkungen für WACKER: Negativer Einfluss auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage, auf Produktions- und Arbeitsabläufe, Reputationsschaden, Know-how-Verlust.

Maßnahmen: WACKER überprüft fortlaufend die eingesetzten Informationstechnologien und investiert kontinuierlich in den Schutz der IT-Systeme und -Anwendungen, um die Funktion und Stabilität der IT-gestützten Geschäftsprozesse sicherzustellen. Unser IT-Sicherheits- und Risikomanagement hat die Aufgabe, Gefährdungen in wirtschaftlicher Weise zu beherrschen. Dies geschieht durch den Betrieb und die kontinuierliche Verbesserung unseres Informationssicherheitsmanagementsystems (ISMS) in Anlehnung an den ISO-Standard 27001, das in regelmäßigen Abständen auch extern überprüft wird (z. B. im Zuge des TISAX Label Assessments). Grundlegend für die Sicherstellung der Verfügbarkeit unserer Systeme sind unter anderem solide Backup- und Recovery-Prozesse. Für den Notfall existieren definierte Prozesse und Abläufe in Form von regelmäßig getesteten Notfallplänen (IT-Service Continuity Management). IT-Risiken im Projektumfeld minimieren wir durch eine einheitliche Projekt und Qualitätsmanagementmethodik. Sie stellt sicher, dass Projektergebnisse und mögliche Änderungen an IT-Services nach definierten Prozessen kontrolliert in unsere Systemlandschaft integriert werden.

Auftretende Risiken im operativen Betrieb erfassen wir im Rahmen des IT-Risikomanagements, das sich an internationalen Standards orientiert. Wir bewerten sie und leiten gezielt technische und organisatorische Gegenmaßnahmen ein. Der Vorstand wird mindestens einmal im Quartal durch den Chief Information Security Officer (CISO) über den aktuellen Stand von Cyberrisiken und der laufenden Projekte der IT- und Informationssicherheit informiert. Unser Cyber Defence Center (CDC) überprüft fortlaufend die Sicherheit unserer IT-Landschaft und unserer -Anwendungen. Werden dabei Defizite festgestellt, so veranlasst das CDC, dass diese zeitnah behoben werden. Unsere Berechtigungskonzepte, die regelmäßig aufgrund neuer Anforderungen und Technologien angepasst werden, basieren auf den Prinzipien Need-to-know und Least-Privilege. Vor Angriffen auf unsere IT-Systeme schützen wir uns durch verschiedene, dem aktuellen Stand der Technik entsprechende IT-Security-Systeme, die ständig an neue Bedrohungslagen angepasst und erweitert werden. Weltweit haben wir ein Team von Sicherheitsexperten etabliert, das Risiken für die Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von Informationen und Systemen durch organisatorische und technische Maßnahmen entgegenwirkt. Wir sensibilisieren die Beschäftigten mit Veranstaltungen und Schulungen zur Informationssicherheit sowie durch eine Kampagne mit kontinuierlichen Anti-Phishing-Tests. Im Berichtsjahr haben wir mit einem Aktionsmonat im Oktober konzernweit für den Themenkreis der Cyber-Security sensibilisiert. Zusätzlich führen wir in regelmäßigen Abständen umfassende Penetrationstests, Audits und Assessments im In- und Ausland durch. Die Techniken potenzieller Angreifer beobachten und bewerten wir fortlaufend, um gegebenenfalls unsere Verteidigungsstrategien entsprechend anzupassen. Zudem tauschen wir uns kontinuierlich mit anderen Unternehmen und Interessenverbänden zum Thema Cyber-Security und Informationssicherheit aus.

Einschätzung und Risikobewertung: Ein langfristiger Ausfall der IT-Systeme oder ein wesentlicher Datenverlust können den Geschäftsbetrieb von WACKER erheblich beeinträchtigen. Auch im Jahr 2025 haben wir eine hohe Zahl von Versuchen beobachtet, unsere IT-Systeme und unsere IT-Infrastruktur anzugreifen. Dass solche Angriffe im Einzelfall erfolgreich sein könnten, lässt sich trotz unserer Vorsorgemaßnahmen nicht ausschließen. Daher stufen wir die Eintrittswahrscheinlichkeit als latent ein. Sollte es in einem solchen Fall in unseren IT-Systemen zu Störungen und Ausfällen größeren Umfangs bzw. längerer Dauer kommen, könnte dies große Auswirkungen verursachen.

Personalrisiken

Szenario: Demografischer Wandel, Gesundheit und Belastbarkeit insbesondere auch bei längerer Lebensarbeitszeit, Mangel an qualifizierten Fach- und Führungskräften, Probleme beim Besetzen von Führungspositionen, Attraktivität der Chemiebranche für Arbeitnehmende insbesondere der jüngeren Generation.

Auswirkungen für WACKER: Der Mangel an Fach- und Führungskräften kann sich negativ auf das weitere Wachstum des Unternehmens auswirken, Verlust des technologischen Vorsprungs.

Maßnahmen: Wir klären frühzeitig Ursachen und begrenzen die Personalrisiken über personalpolitische Maßnahmen. Dazu gehören insbesondere unser Talent-Management-Prozess und die daraus abgeleiteten Entwicklungspläne. Hinzu kommen vielfältige Aus- und Weiterbildungsangebote, gute Sozialleistungen und eine leistungsorientierte Vergütung. Wir bieten unseren Beschäftigten in Deutschland ein breites Spektrum von Arbeitszeitmodellen und Regelungen an, um Beruf und unterschiedliche Lebensphasen miteinander vereinbaren zu können.

Mehrere etablierte Programme der betrieblichen Gesundheitsförderung erhalten und fördern die Gesundheit unserer Belegschaft. Eine Vorreiterrolle nimmt WACKER mit der Initiative „BETSI für Azubis – Fit durch die Ausbildung“ ein: Im zweiten Ausbildungsjahr bieten wir unseren Auszubildenden ein umfangreiches neunmonatiges Gesundheitsprogramm. Mit weiteren Initiativen informieren und fördern wir die Mitarbeitenden im Sinne einer gesunden Lebensführung, zum Beispiel mit dem Angebot einer einwöchigen Gesundheitswoche, zu der die Teilnehmenden freigestellt sind.

WACKER hat für alle Schlüsselpositionen im Unternehmen einschließlich aller Positionen des Oberen Führungskreises (OFK) konzernweit eine detaillierte Nachfolgeplanung etabliert. Zudem hat WACKER für obere Führungskräfte im Fall einer längeren Abwesenheit oder Krankheit einen Stellvertreter benannt.

Mit unserer globalen Employer-Branding-Kampagne sowie den Informationen über unsere Ausbildungs- und Einstiegsmöglichkeiten wenden wir uns gezielt auch an die jüngeren Generationen, die wir unter anderem auf Social Media-Kanälen ansprechen. Wir verfolgen unserer Diversity-Ziele, um Menschen in all ihrer Vielfalt in unserem globalen Team willkommen zu heißen. Mit Aktivitäten zum deutschen Diversity-Tag im Mai sowie zum Global Diversity Awareness Month im Oktober haben wir die Bedeutung der Vielfalt bei WACKER kommuniziert.

Wir bauen beispielsweise am Standort Pilsen (Tschechien) unseren Hub weiter aus und erschließen so den Zugang zu weiteren Fachkräften.

Einschätzung und Risikobewertung: Der demografische Wandel wird das Risiko, nicht ausreichend geeignetes Fach- und Führungspersonal zu finden, langfristig erhöhen. Wir schätzen dieses Risiko als latent ein mit großen Auswirkungen im Eintrittsfall. Ein akutes Personalrisiko sehen wir aktuell aufgrund des laufenden Restrukturierungsprogramms PACE nicht.

Externe Risiken

Szenario: Pandemie, Naturkatastrophen, Krieg oder Bürgerkrieg, Terrorgefahr sowie Anschläge und dadurch unsichere Standorte, unabsehbare Auswirkungen durch politische Entwicklungen.

Auswirkungen für WACKER: Beeinträchtigung unserer unternehmerischen Handlungsfähigkeit, Versorgungsengpässe, Produktionsausfälle, Störungen in der Lieferkette, Ausfall von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, Umsatz- und Ergebniseinbußen.

Maßnahmen: Unsere geschäftsverantwortlichen Einheiten und unsere Standorte haben Pläne und Maßnahmen erarbeitet und kommuniziert, um die Auswirkungen einer Pandemie auf die Gesundheit unserer Beschäftigten und auf unsere Geschäftsprozesse zu minimieren. Der „Pandemie-Vorsorgeplan“ stellt ein einheitliches und koordiniertes Vorgehen sicher. Analog erarbeitet WACKER einen Vorsorgeplan, um auf mögliche kriegerische Konflikte vorbereitet zu sein. Die finanziellen Auswirkungen von Schäden an unseren Produktionsanlagen durch Naturkatastrophen sind zum Teil durch Versicherungen abgedeckt. Da WACKER über Produktionsstandorte auf verschiedenen Kontinenten verfügt, ist unsere Produktions- und Lieferfähigkeit bis zu einem gewissen Grad auch dann gewährleistet, wenn einzelne Anlagen ausfallen sollten.

Einschätzung und Risikobewertung: Risiken, die sich aus Pandemien, Naturkatastrophen, Kriegs- oder Bürgerkriegshandlungen ergeben können, sind nie ganz auszuschließen. Die Corona-Pandemie sowie die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten sind dafür klare Belege. Wenn solche latenten Szenarien eintreten, könnte dies große Auswirkungen haben.

Physische Klimarisiken

Szenario: Akute physische Klimarisiken entstehen durch Gefahren, insbesondere extremwetterbedingte Ereignisse wie Stürme, Überschwemmungen, Brände oder Hitzewellen. Chronische physische Risiken entstehen durch längerfristige Änderungen des Klimas wie Temperaturveränderungen, Veränderungen der Niederschlagsmuster und Windverhältnisse, den Anstieg des Meeresspiegels sowie Wasserknappheit.

Auswirkungen für WACKER: Physische Klimarisiken könnten sich auswirken durch Personen-, Sach- und Umweltschäden, durch die Beschädigung der Umsatz- und Ergebnisbelastung, durch Produktionsausfälle, Versorgungsengpässe, Störungen der Lieferkette und Schadensersatzzahlungen sowie durch Betriebsunterbrechungen.

Maßnahmen: Bei physischen Risiken sind die finanziellen Auswirkungen von Schäden an unseren Produktionsanlagen infolge von Naturkatastrophen teils durch Versicherungen abgedeckt. Da WACKER über Produktionsstandorte auf verschiedenen Kontinenten verfügt, ist unsere Produktions- und Lieferfähigkeit auch dann gewährleistet, falls einzelne Anlagen ausfallen. Versorgungsengpässen und Störungen der Lieferkette begegnen wir, indem wir unsere Bedarfe strukturiert bei mehreren Lieferanten beschaffen. Wir führen regelmäßig Risikoanalysen für unsere Standorte durch, bei denen wir sowohl akute als auch chronische Klimaveränderungen berücksichtigen. Ebenso berücksichtigen wir aus dem Klimawandel resultierende Risiken, wenn wir Investitionen bewerten.

Einschätzung und Risikobewertung: Physische Risiken aus dem Klimawandel sind nicht auszuschließen. Durch die Wahl unserer Standorte sowie durch unsere regelmäßigen Risikoanalysen und Vorsorgemaßnahmen sichern wir uns zum Teil gegen Auswirkungen von akuten und chronischen Ereignissen ab. Derzeit sehen wir deshalb das Risiko als latent an. Sofern ein Szenario eines Klimakatastrophenereignisses eintritt, kann es jedoch zu großen Auswirkungen auf die Ergebnisentwicklung des Konzerns kommen.