Forschung und Entwicklung
Mit seiner Forschung und Entwicklung (F&E) verfolgt WACKER drei Ziele:
Wir suchen nach Lösungen für die Bedürfnisse unserer Kunden, um einen Beitrag zu deren Markterfolg zu leisten.
Wir optimieren unsere Verfahren und Prozesse, um in der Technologie führend zu bleiben und nachhaltig zu wirtschaften.
Wir konzentrieren uns darauf, innovative Produkte und Anwendungen für neue Märkte zu schaffen sowie Zukunftsfelder zu bedienen – wie Energiespeicherung, Erzeugung regenerativer Energie, Elektromobilität, modernes Bauen und Biotechnologie.
Die F&E-Quote – das Verhältnis der Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen zum Konzernumsatz – liegt mit 3,9 Prozent (2024: 3,6 Prozent) über dem Vorjahr. Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung sind gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
Mio. € |
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2025 |
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2024 |
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2023 |
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2022 |
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2021 |
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Forschungs- und Entwicklungskosten |
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214,6 |
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203,7 |
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184,1 |
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178,4 |
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164,2 |
Unser Patentportfolio umfasst weltweit rund 3.400 aktive Patente sowie 1.200 laufende Patentanmeldungen. Know-how von Dritten lizenzieren wir lediglich in geringem Umfang. Bei Forschungskooperationen, beispielsweise mit Hochschulen, tragen wir dafür Sorge, dass uns die Ergebnisse in der Regel mittels Übertragung der Nutzungsrechte zugänglich sind.
Im Jahr 2025 investierte WACKER 9,7 Mio. € in F&E-Einrichtungen (2024: 17,2 Mio. €). Wir haben in Labore und deren Ausstattung investiert sowie in Pilotreaktortechnologien und Pilotanlagen. Am Standort Burghausen wurde ein Gas Atomizer aufgebaut und optimiert. Im Bereich Polymers wurde in Laborautomatisierung investiert. In unserer zentralen Forschung wurde in ein neues Biotechnology Center am Standort des Consortiums für elektrochemische Industrie in München investiert. Dafür wurden neue Fermentationskapazitäten und -systeme im Technikum geschaffen, teilweise speziell fürs Food-Technikum. Zudem wurde in den Aufbau neuer Silanlabore investiert.
Investitionen in F&E-Einrichtungen
Die Zukunftsfelder, in denen WACKER tätig ist, sind insbesondere Medizin und Biotechnologie, Energie, Elektronik, Automobil, Consumer Care und Ernährung sowie Bauanwendungen. Besonderes Augenmerk legen wir auf effizienten Energieeinsatz, Energiespeicherung und Erzeugung regenerativer Energie. Wir prüfen den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen und Kohlendioxid in unserer Wertschöpfungskette. Ein Großteil der F&E-Aufwendungen entfiel darauf, Produkte und Produktionsverfahren zu erforschen.
Struktur der F&E-Aufwendungen
Forschungs- und Entwicklungsarbeit auf zwei Ebenen
WACKER forscht und entwickelt auf zwei Ebenen: im Zentralbereich Forschung und Entwicklung (F&E) sowie dezentral in den Geschäftsbereichen, die anwendungsnah forschen und entwickeln. Der Zentralbereich F&E koordiniert diese Arbeiten unternehmensweit und bindet andere Bereiche ein.
Kooperation mit Kunden und Forschungseinrichtungen
Wir kooperieren mit Kunden, wissenschaftlichen Instituten und Universitäten, um schneller und effizienter Forschungserfolge zu erzielen. Die Themen unserer Kooperationen sind unter anderem CO2-Elektrolyse, Bauanwendungen, chemische Modellierungen, Biokatalysatoren, Nukleinsäureforschung und Bioabbaubarkeit.
Die Wacker Chemie AG und die Technische Universität München (TUM) haben mit der Gründung des TUM WACKER Institute for Industrial Biotechnology ihre Partnerschaft vertieft. Ziel ist es, die Forschung in der industriellen Biotechnologie in Deutschland auf internationalem Spitzenniveau weiterzuentwickeln. Als Basis für nachhaltiges Wirtschaften sollen neue Ansätze für die Herstellung von Produkten für die Pharma-, Lebensmittel- und Chemieindustrie aus nachwachsenden Rohstoffen erforscht werden. WACKER fördert die Forschung am Institut seit 2022 über eine Vertragslaufzeit von sechs Jahren mit mehr als 6 Mio. €.
Forschungsarbeit bei WACKER
In der F&E waren im Jahr 2025 konzernweit 919 Mitarbeitende beschäftigt (2024: 956). Dies entspricht 5,6 Prozent der Mitarbeitenden (2024: 5,7 Prozent). Davon arbeiteten 676 Personen bei der F&E in Deutschland und 243 im Ausland.
Alexander Wacker Innovationspreis
Den mit 10.000 € dotierten Alexander Wacker Innovationspreis verleiht WACKER seit dem Jahr 2006 für herausragende Forschungsleistungen. Im Berichtsjahr wurde dieser erstmals in zwei Kategorien vergeben: Geschäftserfolg und wissenschaftliche Exzellenz. In der Kategorie Geschäftserfolg trug ein Team aus Burghausen durch die Entwicklung und den Einsatz eines digitalen Zwillings der „Etching Line Next“ maßgeblich zur schnellen kommerziellen Inbetriebnahme der dortigen Produktionslinie für ultrareines Polysilizium in Halbleiterqualität bei. In der Kategorie wissenschaftliche Exzellenz überzeugte ein Team aus Norwegen und Deutschland mit einer Eigenentwicklung: einer Infrarotkamera kombiniert mit künstlicher Intelligenz, die erstmals einen Blick in den weltgrößten Siliziumofen in Holla, Norwegen, ermöglicht.
Themen der zentralen Forschung und Entwicklung
Im Fokus der zentralen Konzernforschung stehen Projekte, die nachhaltige Themen voranbringen, beispielsweise Kreislaufwirtschaft, Bioabbaubarkeit von Polymeren, Elektrolyseverfahren und chemisches Recycling. WACKER forscht am Einsatz nachhaltiger Rohstoffe, um den CO2-Fußabdruck seiner Produkte kontinuierlich zu verringern. Ein Schwerpunkt der Aktivitäten ist die biotechnologische Forschung, bei der das Unternehmen zunehmend automatisiert und digitalisiert arbeitet. In der Fermentation erfasst WACKER umfangreiche Prozessdaten, um Verfahren computergestützt zu simulieren und zu optimieren. In der Mikrobiologie setzen wir zwei Schwerpunkte: Zum einen entwickeln und verbessern wir Technologien zur Produktion von Proteinen und Nukleinsäuren (DNA, pDNA, RNA) für die Pharmabranche. Zum anderen erforschen wir Produktionssysteme für neue Inhaltsstoffe von Lebensmitteln mittels Fermentation und Biotransformation, beispielsweise zur Herstellung von Zellkulturfleisch („Cultivated Meat“) und humanen Milch-Oligosacchariden.
Des Weiteren liegt ein Fokus auf Themen zur Digitalisierung und Automatisierung. In zwei vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Projekten wird zum einen das Ziel verfolgt, am Beispiel des digitalen Produkt-Passes einen interoperablen Datenraum für Chemikalien und Materialien zu schaffen, der den umfassenden Austausch von Daten entlang der gesamten Wertschöpfungskette der chemischen Industrie ermöglicht (Chem-X). Im zweiten Projekt (RoX – Digitales Ökosystem für KI-basierte Robotik, im Rahmen des EU-Programms „Important Projects of Common European Interest Cloud and Edge based Infrastructure and Services (IPCEI CIS)“) wird der Aufbau eines digitalen Ökosystems, das den Einsatz innovativer KI-basierter robotischer Lösungen in verschiedenen praxisrelevanten Anwendungen und Branchen erleichtert bzw. ermöglicht, vorangetrieben.
Forschungsprojekte der Geschäftsbereiche
Das Thema Nachhaltigkeit rückt im Geschäftsbereich Silicones immer mehr in den Mittelpunkt. WACKER ersetzt Lösemittel durch unbedenkliche, abbaubare Lösungen oder vermeidet sie vollständig mit einem Fokus auf wässrige Systeme. Zunehmend verwenden wir nachwachsende Rohstoffe und arbeiten an Alternativen zu Fluorcarbonen in Beschichtungen, Textilapplikationen und Trennmitteln. Wir beschäftigen uns mit dem Recycling von Siliconen durch hydrothermalen Abbau oder Acidolyse und entwickeln unsere Siliconharze für Hochleistungswerkstoffe mit sehr hoher Langlebigkeit und Beständigkeit weiter. Stichwort „Carbon Capturing“: Einen nachhaltigen Schwerpunkt legen wir darauf, Kohlenstoffdioxid mit Hilfe von Kieselsäure-Formkörpern aus Prozessabgasen zu isolieren. Vermehrt nutzen wir abbaubare Formulierungskomponenten in Kosmetik und Haarpflegemitteln. Die Produktpalette des Geschäftsbereichs Silicones entwickeln wir kontinuierlich weiter, um den Cyclengehalt auf ein Minimum zu reduzieren. Einen Fokus setzen wir darauf, Formulierungen schneller und effizienter mittels Machine Learning und künstlicher Intelligenz zu gestalten. Wir kombinieren die Chemie von Siliconen mit neuen Technologien wie Flow Chemistry, Elektronenstrahlen, Hochdruckhomogenisation und Gas Atomizing. Für die Elektronik- und Automobilindustrie entwickeln wir neuartige Hochleistungsfüllstoffe und Bindemittelkonzepte für die Temperaturregulation von elektronischen Bauteilen und Batterien. Für die medizinische Industrie entwickeln wir Klebstoffe, die auf einer Kombination von Siliconen mit organischen Polymeren basieren.
Der Geschäftsbereich Polymers konzentriert sich auf die Forschung und Entwicklung nachhaltiger, funktionaler Polymerbindemittel für die Baubranche und für die Produktion von Konsumgütern. Wir bewerten und optimieren unsere Produktpalette ständig anhand von Nachhaltigkeitskriterien. Einen Schwerpunkt legen wir darauf, in Produktionsprozessen nachwachsende Rohstoffe zu verwenden sowie unseren CO2-Fußabdruck zu senken. Wir entwickeln Lösungen für die Kreislaufwirtschaft, zum Beispiel Bindemittel mit einem hohen Anteil an nachwachsenden Rohstoffen und Technologien, die die Aufbereitung und Wiederverwertung der Produkte unserer Kunden ermöglichen. So konnten im Berichtszeitraum Lösungsansätze zur Verbesserung der Kreislauffähigkeit von Teppichen entwickelt werden, die eine Isolation von Teppichfasern hoher Reinheit für nachgelagerte Recyclingverfahren ermöglichen. Weiterhin fokussieren wir uns auf die stetige Optimierung und die Einführung neuer funktionalisierter Polymerdispersionen, Dispersionspulver, Harze, nachhaltiger Bindemittel für Klebstoffe sowie zementbasierte Baumaterialien. Fokus dabei ist, unsere Produkt- und Produktionstechnologien weiterzuentwickeln, um sowohl in unseren Prozessen als auch in denen unserer Kunden Energie einzusparen und effizienter zu werden.
Der Geschäftsbereich Biosolutions hat seine biotechnologischen Kompetenzen im Bereich Biopharma und Nahrungsmittel weiter gestärkt. Im Berichtszeitraum wurde am Standort München ein neues F&E-Zentrum für Biotechnologie eröffnet, was die Forschung in diesem Bereich erheblich unterstützt. Wir bieten unseren Kunden mikrobielle Technologien zur Produktion verschiedener Klassen von Pharmaproteinen sowie für neuartige Therapien auf Basis von Nukleinsäuren an, darunter Plasmid-DNA (pDNA), mRNA und LNPs. Unsere Kunden begleiten wir dabei von der präklinischen Entwicklung bis hin zur kommerziellen Produktion nach den GMP-Qualitätsrichtlinien. Ein zusätzliches Angebot im Biopharma-Geschäft sind unsere im Berichtszeitraum gestarteten Custom Research Services. Diese ermöglichen es uns, speziell Kunden in den präklinischen Entwicklungsphasen schnell und flexibel bei der Produkt- und Prozessentwicklung zu unterstützen. Im Nahrungsmittelbereich konzentriert sich der Bereich Biosolutions weiterhin auf fermentative Verfahren zur Produktion hochwertiger, biobasierter Inhaltsstoffe. Wir bieten unseren Kunden aus der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie nachhaltige, petrochemiefreie Aminosäuren, Vitamine, Saccharide sowie Geschmacks- und Geruchsstoffe an. Im Berichtszeitraum haben wir humane Milcholigosaccharide für Säuglings- und Kleinkindernährung kommerzialisiert. Weiterhin wurden spezielle Medienbestandteile kommerzialisiert, die für die Produktion alternativer Proteine essenziell sind. Am Standort León setzen wir sowohl eigene Herstellprozesse als auch die unserer Kunden im industriellen Maßstab und unter den erforderlichen Qualitätsregimen um. Im Bereich der Cyclodextrine entwickeln wir gemeinsam mit Partnern Anwendungen für die Lebensmittelbranche, Landwirtschaft und Arzneimittel weiter.
Um das Potenzial von modernen Mikrochips auszuschöpfen, benötigt die Halbleiterindustrie ultrareines Polysilicium. Der Geschäftsbereich Polysilicon hat dafür mehrere Projekte angestoßen. Dazu zählt auch die „Etching Line Next“, eine neue Fertigungsanlage zur Reinigung von halbeitertauglichem Polysilicium am Standort Burghausen, deren Aufbau durch die Europäische Union, die Bundesrepublik Deutschland und den Freistaat Bayern gefördert wird. Erste Mengen wurden bereits 2025 an Kunden ausgeliefert. Zum Ausbau der Qualitätskontrolle wurde das Projekt Quality LeaP (Quality Leadership in Polysilicon) intensiviert. Mit derart reinem Polysilicium ist in Zukunft auch die Herstellung von Chips mit einer Design Rule von 3 nm und kleiner für Computeranwendungen im Bereich der künstlichen Intelligenz, für Datenzentren sowie für autonomes Fahren möglich. Nur wenige Firmen außer WACKER können solche hochreinen Produkte für Halbleiteranwendungen herstellen.