Wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen
Im Folgenden werden die wesentlichen Auswirkungen von WACKER auf die Biodiversität sowie deren Zusammenhang mit Geschäftsmodell, Wertschöpfungskette, Strategie und Entscheidungsfindung beschrieben. Wesentliche Risiken und Chancen wurden nicht identifiziert.
Verfahren zur Ermittlung und Bewertung
Nähe der Unternehmensstandorte zu Gebieten mit schutzbedürftiger Biodiversität
Die Bewertung potenzieller Biodiversitätsrisiken aller WACKER Standorte erfolgt anhand des Biodiversity Risk Filters des WWF (World Wide Fund for Nature), der anhand 33 biodiversitätsbezogener Indikatoren sowohl den Zustand der Ökosysteme als auch die Auswirkungen und Abhängigkeiten der Industrien berücksichtigt. Der Fokus der Bewertung liegt dabei auf der Kategorie „Environmental Factors“ sowie auf den Indikatoren „Protected / Conserved Areas“, „Key Biodiversity Areas“ sowie „Ecosystem Condition“ und „Range Rarity“.
WACKER berichtet alle Produktionsstandorte, die mittels WWF Biodiversity Risk Filter mit potenziell hohem bzw. sehr hohem Risiko in den Kategorien „Key Biodiversity Areas“ und „Protected Areas“ eingestuft sind Zu rechtlich geschützten Gebieten (IUCN-Kategorien I–IV) zählen Naturschutzgebiete, Naturreservate und Wildtierschutzgebiete, deren Schutzstatus sich je nach rechtlicher Regelung unterscheiden kann, sowie Natura 2000-Gebiete und Weltnaturerbestätte. Mittels geoinformationssystembasierter Analyse wurden für diese Standorte sowohl die Entfernungen zu den Schutzgebieten als auch die Art der Schutzgebiete ausgewertet. Dabei wurde geprüft, ob in einem Radius von drei Kilometern um jeden Standort Schutzgebiete bestehen.
Die ermittelten Daten wurden nicht extern überprüft. Die Analyse wird regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst. Die Angabe der Daten erfolgt freiwillig und ist nicht gesetzlich vorgeschrieben.
Des Weiteren haben wir die potenziellen produktionsbedingten Auswirkungen auf diese Gebiete sowie die Gebiete selbst betrachtet. Dabei stellt die Bewertung des Zustands dieser Ökosysteme einen zentralen Bestandteil der Analyse dar, um sicherzustellen, dass die natürliche Umgebung rund um die WACKER Standorte intakt und ökologisch vernetzt bleibt. Die Bewertung basiert auf den genannten Indikatoren des WWF Risk Filters.
Ein weiterer Fokus liegt auf dem Schutz endemischer Arten, die besonders empfindlich auf Veränderungen ihrer Lebensräume reagieren. Mithilfe des Range-Rarity-Indikators des WWF Biodiversity Risk Filters bewerten wir das Risiko für diese Arten auf Basis ihres Vorkommens an unseren Produktionsstandorten.
Um darüber hinaus ein fundiertes Verständnis für die spezifischen Abhängigkeiten der eigenen Wertschöpfungskette von natürlichen Systemen zu gewinnen, nutzt WACKER das Online-Tool ENCORE (Exploring Natural Capital Opportunities, Risks and Exposure). Dieses Tool wurde speziell für sektorspezifische Bewertungen entwickelt und hilft dabei, die Relevanz einzelner Ökosystemdienstleistungen zu bewerten – von „sehr hoch“ bis „sehr niedrig“. So lassen sich kritische Naturabhängigkeiten identifizieren und priorisieren. Die Analyse bei WACKER konzentriert sich auf jene Ökosystemdienstleistungen, die mit höher bewertet werden, insbesondere im Hinblick auf die chemische Produktion (gemäß der internationalen Standardklassifikation: Herstellung von Chemikalien und chemischen Erzeugnissen). Dabei lag der Fokus auf den eigenen Geschäftstätigkeiten.
Im Rahmen unserer Biodiversitätsbewertung wurden die Auswirkungen, Risiken und Chancen für WACKER im Zusammenhang mit Biodiversität bewertet. Dabei wurden insbesondere die aktuellen und zukünftigen Aktivitäten des Unternehmens hinsichtlich der eigenen Produktion sowie unter Berücksichtigung der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette betrachtet.
Die Bewertung der Auswirkungen auf die Biodiversität, sind in der Wesentlichkeitsanalyse im ESRS 2 – Allgemeine Angaben sowie in den einzelnen Standardkapiteln beschrieben.
Physische, transitorische sowie systemische Risiken im Zusammenhang mit Biodiversität wurden nicht separat betrachtet.
Auswirkungen, Risiken, Chancen
Während sich die meisten WACKER-Produktionsstandorte in industriellen Regionen befinden, liegen einige in der Nähe von Schlüsselbiodiversitätsgebieten (Key Biodiversity Areas, KBAs) bzw. geschützten Gebieten (Protected Areas, PA).
Standort |
|
Name des Schutzgebiets |
|
Schutzstatus |
|---|---|---|---|---|
|
|
|
|
|
Burghausen |
|
Vogelfreie Salzachmündung (Naturreservat) |
|
IUCN Kat.IV |
|
Salzach und Unterer Inn (besondere Erhaltungsgebiete) |
|
Natura2000 |
|
|
Salzach und Inn (besondere Schutzgebiete) |
|
Natura2000 |
|
Köln |
|
NSG Rheinaue Langel-Merkenich (Naturschutzgebiet) |
|
IV |
|
NSG Flittarder Rheinaue (Naturschutzgebiet) |
|
IV |
|
Nünchritz |
|
Elbtal zwischen Schöna und Mühlberg (besondere Erhaltungsgebiete) |
|
|
Stetten |
|
Stettener Weinberg (Naturreservat) |
|
IV |
|
Owinger Bühl (Naturreservat) |
|
IV |
|
|
Warrenberg (Naturreservat) |
|
IV |
|
|
Gebiet zwischen Bisingen, Haigerloch und Rosenfeld (besondere Erhaltungsgebiete) |
|
Natura2000 |
|
Tsukuba |
|
Tsukubasan (Präfekturschutzgebiet für Wildtiere) |
|
|
Ulsan |
|
Ulsan Junggu Taehwadong (Schutzgebiet für Wildtiere) |
|
IV |
|
Ulsan Namgu Mugeodong (Schutzgebiet für Wildtiere) |
|
IV |
|
|
Ulsan Bukgu Myeongchondong (Schutzgebiet für Wildtiere) |
|
IV |
|
|
Ulsan Namgu Seonamdong (Schutzgebiet für Wildtiere) |
|
IV |
Die Nähe eines Produktionsstandortes zu Gebieten mit schutzbedürftiger Biodiversität bedeutet jedoch nicht automatisch, dass der Standort sich negativ auf das Schutzgebiet auswirkt. Dafür wurden, wie erläutert, weitere Faktoren zur Bewertung miteinbezogen.
Die Ergebnisse der Analyse des WWF Biodiversity Risk Filters zeigen ein potenziell geringes bis mittleres Risiko hinsichtlich des Zustandes der Ökosysteme. Dies bedeutet, dass sich unsere Geschäftstätigkeiten nicht wesentlich auf den Zustand der Ökosysteme auswirken oder gar zur Zerstörung oder Fragmentierung von Lebensräumen beitragen. Dadurch ist die Integrität der umliegenden Ökosysteme weitgehend sichergestellt.
Abhilfemaßnahmen in Bezug auf die Standorte in der Nähe von Schutzgebieten und ihren Einfluss auf die Biodiversität sind nicht erforderlich.
Der Range-Rarity-Indikator zeigt, dass kein Standorte ein sehr hohes oder hohes Risiko aufweist. Dies besagt, dass unsere Aktivitäten keine unmittelbare Gefährdung der endemischen Arten darstellen.
Gemäß dem ENCORE Framework weist die chemische Industrie insgesamt eine geringe Wesentlichkeit in Bezug auf Flächennutzung auf, da Unternehmen wie WACKER überwiegend in etablierten Industriegebieten tätig sind. Dadurch sind kaum Flächenumwandlungen erforderlich. Bedeutende Umweltfolgen wie Bodendegradierung oder Bodenversiegelung werden weitgehend vermieden. Als Spezialchemieunternehmen ist WACKER in vielfältiger Weise auf Ökosystemdienstleistungen angewiesen, welche die Geschäftstätigkeiten direkt oder indirekt unterstützen. Dazu zählen Versorgungsdienstleistungen wie Wasser und Rohstoffe, Regulierungsdienstleistungen wie Klimaregulation und Hochwasserschutz, unterstützende Dienstleistungen wie Bodenbildung und Bestäubung sowie kulturelle Dienstleistungen wie Erholung und Naturerleben. Die Ergebnisse der ENCORE Auswertungen bestätigen, das WACKER durch verschiedene Ökosystemdienstleitungen unterstützt wird, jedoch keine kritischen Abhängigkeiten bestehen.
Basierend auf den Analysenergebnissen, wurden die Auswirkungen unserer Geschäftstätigkeiten (eigener Geschäftsbereich sowie vor- und nachgelagerte Wertschöpfungskette) hinsichtlich der Themen Landdegeneration, Wüstenbildung, Bodenversiegelung oder bedrohte Arten als nicht wesentlich identifiziert.
Dennoch hat WACKER durch den Ausstoß von Treibhausgasemissionen, Emissionen in die Luft und das Wasser sowie durch die Wassernutzung potenziell negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt und Ökosysteme. Diese können sich auch potenziell auf nahegelegene Schutzgebiete unserer Standorte auswirken.
Diese Auswirkungen sind in den Kapiteln Klimawandel (ESRS E1), Umweltverschmutzung (ESRS E2) und Wasser- und Meeresressourcen (ESRS E3) beschrieben.
Wesentliche Risiken und Chancen wurden nicht identifiziert.