Künftige Entwicklung des WACKER-Konzerns
Nach unserem angenommenen Szenario erwarten wir, dass die Weltwirtschaft im Jahr 2026 leicht wächst. Wie stark dieses Wachstum sein wird, hängt unter anderem von der weiteren Entwicklung der derzeitigen geopolitischen Konflikte sowie der künftigen Zollpolitik einzelner Länder ab. Die größten Wachstumsimpulse kommen 2026 voraussichtlich erneut aus Asien.
Investitionen und Produktion
WACKER verfolgt gezielt seine strategischen Prioritäten und richtet seine Investitionsprojekte danach aus. Der Schwerpunkt unserer Investitionen konzentriert sich im Jahr 2026 neben der Optimierung und Instandhaltung bestehender Anlagen vor allem auf Anlagen zur Herstellung von Zwischen- und Fertigprodukten. Die Investitionen werden deutlich unter dem Niveau des Vorjahres liegen. Der größte Anteil an den Investitionen entfällt auf den Geschäftsbereich Silicones. Dort liegt der Fokus im Jahr 2026 unter anderem auf dem Aufbau eines neuen Standortes in Karlsbad, Tschechien, zur Erweiterung der Produktion von Spezialsiliconen.
Standort |
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Projekte |
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Inbetriebnahme |
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Pilsen |
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Kapazitätsausbau für Spezialsilicone |
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2026 |
Burghausen |
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Kapazitätsausbau für funktionelle Siliconöle |
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2026 |
Burghausen |
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Kapazitätsausbau der Wasserstoffreinigung für Halbleiter-Polysilicium |
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2026 |
Karlsbad |
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Produktion von Spezialsiliconen |
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2026 |
Künftige Produkte und Dienstleistungen
Der Geschäftsbereich Silicones konzentriert sich bei der Produktentwicklung insbesondere auf die Fokusmärkte Elektromobilität, Gesundheit, Energiewende, Digitalisierung und nachhaltiges Bauen. Im Fokusfeld Digitalisierung hat WACKER mit der Serienproduktion von vorkonfektionierten Siliconlaminaten begonnen. Sie ermöglichen die Herstellung von flexiblen Sensoren für die Robotik, Automobilindustrie und Medizintechnik. In der Elektromobilität treibt WACKER die Entwicklung wärmeleitfähiger Siliconmassen voran. Hitzebeständige Gapfiller und Strukturkleber zur Befestigung von Batteriemodulen stehen hier im Mittelpunkt. Mit innovativen Lösungen verbessert WACKER auch die Sicherheit von Antriebsbatterien. Halogenfreie Flammschutzmittel, siliconharzbasierte Brandschutzmatten aus Kohlefaser und keramifizierende Siliconbeschichtungen für Stromschienen verbessern den Brand- und Insassenschutz in E-Autos. Auf großes Interesse stoßen auch neue, ultraleichte Füllstoffe aus sphärischem Silicium. Sie werden für die Herstellung von Wärmeleitmassen für die Luft- und Raumfahrt und für die Drohnenindustrie entwickelt. Im Stromnetzausbau sind Silicone seit Jahren auf dem Vormarsch. Spezielle Festsiliconkautschuke ermöglichen eine effizientere und kostengünstigere Herstellung von Verbundisolatoren. Im Gesundheitsbereich bietet WACKER neuerdings Silicongele für transdermale Pflaster an. Sie können rezeptfreie Therapeutika wie Ibuprofen, pflanzliche Heilmittel oder Wirkstoffe aus dem Wellness-Bereich speichern und diese kontrolliert an die Haut abgeben. Für die Haut- und Haarpflege bietet WACKER neben siliconbasierten Produkten neuerdings auch Emulgatoren und Additive aus pflanzlichen oder fermentativ hergestellten Substanzen. Nachhaltige Baustoffe und Verpackungsmaterialien sind in der Baustoffindustrie gefragt. WACKER, führender Hersteller von biobasierten Silicondichtstoffen, unterstützt deshalb das Recycling von Siliconkartuschen.
Der Geschäftsbereich Polymers setzt weiterhin verstärkt auf den Einsatz polymerer Bindemittel für anspruchsvolle Bau-, Beschichtungs- und Verklebungsanwendungen. Der Geschäftsbereich geht davon aus, dass die Nachfrage nach leistungsstarken Produkten für die Gebäuderenovierung und -sanierung zunehmen wird. Die wachsende Mittelschicht in vielen Schwellenländern führt darüber hinaus dort zu einer Belebung der Nachfrage nach gehobener Wohnqualität und Konsumgütern. Dabei bedienen wir aktiv die wachsende Nachfrage der Kunden nach umweltfreundlichen und nachhaltigen Lösungen, indem wir entsprechende Produktlinien und nachhaltige Rezepturen gemeinsam mit Kunden entwickeln. So ist Polymers zum Beispiel in der Lage, Dispersionen speziell auf Basis von Vinylacetat-Ethylen-Copolymeren unter Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen in kommerziellen Mengen anzubieten. Um die Verwendung erneuerbarer Rohstoffe zu erhöhen, konzipieren wir unsere Herstellungsverfahren nach dem Massenbilanz-Ansatz. Darüber hinaus treiben wir den Einsatz von biobasierten Rohstoffen im Bereich der Bindemittelherstellung weiter voran. Polymers bietet hochleistungsfähige Bindemittel für Klebstoffe, die in papierbasierten Verpackungslösungen Anwendung finden und unterstützt damit den Trend von „Plastik zu Papier“. Wachstumspotenziale sehen wir auch bei wasserlöslichen Bindemitteln, die in Klebstoffen für die Holz- und Textilindustrie, zum Beispiel bei der Schuh- oder Möbelproduktion, zum Einsatz kommen. Unsere Dispersionen und Dispersionspulver machen Wärmedämmverbundsysteme langlebiger sowie qualitativ hochwertiger und verbessern somit die Energieeffizienz von Gebäuden, indem sie dazu beitragen, CO2-Emissionen einzusparen und Energiekosten zu senken. Durch den Einsatz unserer Produkte werden Baustoffe widerstandsfähiger, wodurch weniger Schäden entstehen und der Ressourcenverbrauch nachhaltig reduziert wird. Polymers unterstützt seine Kunden außerdem bei der Formulierung nachhaltiger Trockenmörtel durch die Kombination neuer Zemente und spezieller Dispersionspulver. Auch im Bereich erneuerbare Energien wird die Nachfrage nach Produkten von Polymers steigen: Festharze kommen bei der Herstellung von Kompositmaterialien für Windradrotoren zum Einsatz.
Für den Geschäftsbereich Biosolutions ergeben sich derzeit Wachstumspotenziale vor allem auf dem Pharma- und Lebensmittelmarkt. Als Auftragshersteller (CDMO) für Biopharmazeutika bedienen wir die steigende Nachfrage an unseren Produktionsstandorten in Jena, Halle, Amsterdam und San Diego. Im Biopharmabereich bauen wir gezielt den Bereich Advanced Medicines aus, dazu zählen unter anderem mRNA-Therapeutika. Auf dem Lebensmittelmarkt folgen wir dem Trend „gesunde Ernährung“, unter anderem mit einer Reihe von funktionellen Inhaltsstoffen, die den Kreislauf unterstützen und die Herzgesundheit fördern. Hier bauen wir unser Portfolio kontinuierlich aus. Dabei setzen wir vor allem auf biobasierte Ausgangsstoffe. Zudem bieten wir Lösungen zur Herstellung von Fleischersatzprodukten: Unser L-Cystein eignet sich beispielsweise als Rohstoff für herzhafte Aromen. Cyclodextrine helfen bei der Formulierung alternativer Proteine. Wir entwickeln außerdem Medienproteine, die bei der Herstellung von Zellkulturfleisch eingesetzt werden. Nach erfolgter Integration des akquirierten Unternehmens ADL Biopharma ist WACKER zudem im CMO-Markt für Präzisionsfermentation sehr gut aufgestellt. Hier bieten wir Produktionslösungen für fermentativ hergestellte Inhaltsstoffe an.
Um das Potenzial von modernen Mikrochips auszuschöpfen, benötigt die Halbleiterindustrie ultrareines Polysilicium. Der Geschäftsbereich Polysilicon hat dafür mehrere Projekte angestoßen. Dazu zählt auch die „Etching Line Next“, eine neue Fertigungsanlage zur Reinigung von halbeitertauglichem Polysilicium am Standort Burghausen. Im Berichtsjahr wurden bereits erste Mengen an Kunden ausgeliefert. Zum Ausbau der Qualitätskontrolle wurde das Projekt Quality LeaP (Quality Leadership in Polysilicon) intensiviert. Mit derart reinem Polysilicium ist in Zukunft auch die Herstellung von Chips mit einer Design Rule von 3 nm und kleiner für Computeranwendungen im Bereich der künstlichen Intelligenz, für Datenzentren sowie für autonomes Fahren möglich. Nur wenige Firmen außer WACKER können so hochreines Polysilicium herstellen.